Frauen*kampf ist Klassenkampf: Auswertung der Veranstaltungreihe “Jeder Tag ist Kampftag” und der 8.März Demonstration in Magdeburg

Frauen*kampf ist Klassenkampf

Die stärker werdenden faschistischen Kräfte in den Parlamenten und auf den Straßen Europas mobilisieren Millionen von Frauen*, sich im Kampf gegen den Faschismus zu beteiligen. Das liegt vor allem auch daran, dass die Freiheiten von Frauen* mitunter die ersten sind, die im Faschismus eingeschränkt werden. Aber auch die bürgerlich-liberale Gesellschaft, in welcher wir leben, gewährt uns als Frauen* nur in dem Maße bestimmte Freiheiten, solange sie dem guten Funktionieren des Staates und der kapitalistischen Wirtschaft nicht gefährlich werden. Deshalb ist es umso wichtiger, das Bewusstsein über diese unauffälligere Unterdrückung herauszubilden und den Kampf gegen dieses System zu intensivieren.

Auch hier in Magdeburg werden seit einigen Jahren feministische Kämpfe wieder mehr in die Öffentlichkeit getragen. Eine erst kürzlich in Erscheinung getretene autonome Organisierungsform von Frauen* ist hierbei die Frauen*vernetzung. Die Frauen*vernetzung ist ein Zusammenschluss aus Einzelpersonen und einzelnen weiblichen Mitgliedern von verschiedenen politischen Gruppen aus Magdeburg, die zusammenarbeiten, um Frauen*kämpfe zu koordinieren und feministische Politik zu machen.

Besprochene Themen und Aktionen in der Vergangenheit zielten u.a. darauf ab, auf Gewalt gegen Frauen* aufmerksam zu machen. Mit diesem Ziel wurden stadtweit öffentliche Orte mit Schildern markiert, an denen Übergriffe auf Frauen* stattgefunden haben. Des Weiteren wurde eine kritische Beobachtung einer Buchvorstellung der antifeministischen Autorin und Sympathisantin verschiedener NPD- und AfD-Kreise Birgit Kelle initiiert. Ein anderer Aspekt der bisherigen Organisierung war ein Selbstverteidigungstraining, in welchem neben den praktischen Fähigkeiten auch die Bedeutung der kollektiven Selbstverteidigung in diesem System zur Geltung kam. Denn Selbstverteidigung kann langfristig nur effektiv sein, wenn sie kollektiv erfolgt. Dazu gehört die Herausbildung eines kollektiven Bewusstseins und die kollektive Kraft, die zur Umsetzung dieses gemeinsam erarbeiteten Bewusstseins notwendig ist.

Erst kürzlich endete die von der Frauen*vernetzung ins Leben gerufene Veranstaltungsreihe „Jeder Tag ist Kampftag“ mit einem klassenkämpferischen Vortrag über Gewerkschaft und Feminismus. Mit über 21 (!) Veranstaltungen im Februar und März, wie Vorträge, Workshops, Buchvorstellung, Filmvorführungen, Wendo-Kursen, Konzerte, und Demos, konnte ein großes Publikum angesprochen und mit feministischen Themen in Kontakt kommen. Maßgeblich beteiligt waren an dieser Veranstaltungsreihe u.a. auch das Feministische Kollektiv mit der Organisierung der 8. März- Demonstration, die klassenkämpferische Basisgewerkschaft FAU, rebel-girls mit den Wendo-Kursen, die Kampagne Gemeinsam Kämpfen, der Frauenverband Courage, die Kurdische Frauenbewegung un die Jineolojî, sowie die Veranstaltenden des Black History Month und vielen, vielen weiteren. An dieser Stelle muss nochmal betont werden, dass ohne die Koordinierung unterschiedlicher Kräfte diese Veranstaltungsreihe nicht möglich gewesen wäre.

Für die Zukunft müssen wir uns Gedanken machen, ob und wie wir uns der feministischen Streikbewegung anschließen können. Angesichts der wirtschaftlichen Unterdrückung von Frauen*, die in der hohen Anstellung von Frauen* im Niedriglohnsektor oder der geringfügigen Beschäftigung, sowie vor allem in der nicht entlohnten Hausarbeit ihren Ausdruck findet, scheint der Streik ein wirksames Mittel, bessere Arbeits- und Lebensbedingungen zu erkämpfen. Durch die Abhängigkeit des Systems von der Unterdrückung der Frauen*, haben letztere neben den migrantischen Arbeitskräften ein unglaublich revolutionäres Potenzial. Man(n) stelle sich nur mal vor, wenn einen Tag lang, die weiblichen Pflege- und Reinigungskräfte nicht zu ihrer unterbezahlten Arbeit erscheinen, wenn einen Tag lang die Chefs der millionenschweren Verkaufskonzerne allein an der Kasse stehen und die Regale ihrer Läden auffüllen müssen, wenn einen Tag lang, der Beziehungspartner die Kinder mit Mahlzeiten, frischer Kleidung und Unterhaltung versorgen und gleichzeitig zur Lohnarbeit erscheinen muss…

Auswertung der 8. März- Demonstration

Die diesjährige 8. März-Demonstration, die zum dritten Mal in Folge vom Feministischen Kollektiv organisiert wurde, stellte erfreulicherweise mit über 400 Teilnehmenden einen bisherigen Höhepunkt der Demonstrationsgröße dar. Seit 2017, als die erste Demonstration des Kollektivs organisiert wurde, verdoppelte sich die Anzahl der Demonstrierenden mit jedem weiteren Jahr. Wir können nur hoffen, dass dies für das Jahr 2020 auch der Fall sein wird! Der Demonstrationszug, der am Alten Markt startete zog mit lautstarken Parolen über den Breiten Weg in Richtung Hasselbachplatz und von dort über die Otto-von-Guericke-Straße zum Hauptbahnhof, wo er endete.

Die Außenwahrnehmung der Demonstration wurde allerdings durch ein enormes Polizeiaufgebot beeinträchtigt. Des Weiteren zeugt auch das versuchte Verbot von Symbolen der kurdischen Frauen*verteidigungseinheit YPJ, sowie das durchgesetzte Verbot von angemeldeter Pyrotechnik auf der Demo von einem repressiven Auftreten der Polizei.

Die 8. März-Demonstrationen mobilisieren viele Frauen*, was nicht immer selbstverständlich ist. Das liegt daran, dass es eine der wenigen Möglichkeiten ist, wo Frauen* explizit ihre Belange an die Öffentlichkeit und an ihre Freunde tragen können. Auch die in gemischtgeschlechtlichen Gruppen organisierten Frauen* stehen regelmäßig vor der Herausforderung, dass der feministische Aspekt der Arbeit oft zu kurz kommt, oder die feministische Arbeit oft ausschließlich von den weiblichen Mitgliedern getragen wird und somit eine Mehrarbeit darstellt. Deshalb freuen sich viele Frauen*, wenigstens am 8. März die Stimme der Demonstration zu sein. Bedauerlicherweise war auch dieses Jahr festzustellen, dass die männlichen Teilnehmer der Demonstration das Erscheinungsbild und den Inhalt formten. Somit ist wieder einmal mehr die Präsenz und die Stimme der Frau* untergegangen. Keine Frage ist die aktive Mitwirkung von Männern* bei der Befreiung der Frau* unabdingbar. Dies findet allerdings nicht im dominanten Auftreten statt. Ein Möglichkeit für die Zukunft ist zum Beispiel, das Vorgeben der Parolen den nicht-männlichen Demonstrierenden zu überlassen oder andere Möglichkeiten der Unterstützung ausfindig zu machen (z.B. Kochen für die Demonstrierenden).